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Dokument: Kirchen > Kirche Wilsdruff

St. Nicolaikirche Wilsdruff

Seit etwa Mitte des 12. Jahrhunderts gibt es in Wilsdruff eine Nicolaikirche. Sie wurde durch zahlreiche Stadtbrände immer wieder vernichtet, dann an der selben Stelle wieder aufgebaut. Die Kirche entstand am Schnittpunkt zweier bedeutender Handelsstraßen. Deshalb wurde sie benannt nach St. Nicolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute. Die Kirche, so wie wir sie jetzt vor uns sehen, wurde in nur einem Jahr, von 1896 bis 1897, erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26. Mai 1896. Der Grundstein ist außen neben der Tür zur Sakristei durch die kunstvoll ausgehauene Jahreszahl und das Handwerkerzeichen erkennbar. Am 20. September 1897 wurde der Kirchenneubau festlich eingeweiht. Die Jahreszahl der Kirchweihe finden wir in dem Bleiglasfenster unter dem Bild "Jesus betet im Garten Gethsemane" wieder. Die Kirche ist im neugotischen, teilweise neuromanischen Stil aus Bruchsteinen vom hiesigen Kirschberg und mit Ornamentsteinen aus Rochlitzer Porphyr erbaut. Das Gewölbe wird von einem 20 Zentner schweren Schlussstein mit dem Kreuzeszeichen zusammengehalten. Aus der ältesten, größeren Kirche an dieser Stelle stammt das frühgotische Portal, das jetzt als Innenportal am Haupteingang Wiederverwendung gefunden hat. Es ist ca. 1240 entstanden. Ebenso alt dürfte die Sakramentsnische sein, die jetzt auf der Rückseite des Altars eingemauert ist. Der Altaraufsatz wurde mitten im 30jährigen Krieg, im Jahre 1631, von dem Bildhauer Klöpl aus Pirna erbaut. Er ist aus Elbsandstein hergestellt. Er zeigt 3 Bilder: ganz oben "Die Opferung Isaaks", das Hauptbild in der Mitte: "Jesus betet im Garten Gethsemane" und unten: "Die Einsetzung des Heiligen Abendmahles". Ganz oben sehen wir drei Frauengestalten als sinnbildliche Darstellung von "Glaube, Hoffnung und Liebe". Rechts und links sind der Stifter und seine Ehefrau (von Schönberg), kniend und anbetend dargestellt. Beim Stadtbrand 1686 brannte auch die Kirche wieder völlig ab. Nur die Umfassungsmauern und der Altar blieben erhalten. Bereits 1693 war die Kirche wieder hergestellt und aufs neue geweiht. Für diesen Wiederaufbau wurde auch die geschnitzte Kanzel geschaffen und aufgestellt. Sie zeigt in der Mitte Christus als Weltenherrscher und zu seiner Seite rechts und links die vier Evangelisten mit ihren Symbolen: Markus mit dem Löwen, Matthäus mit einem Engel, Lukas mit einem Stier und Johannes mit dem Adler. Über der Kanzel schwebt auf dem "Schalldeckel" ein Engel mit der Trompete - nach biblischer Überlieferung ruft er Tote und Lebende zum Gericht Gottes. Durch die kunstgeschmiedete Tür links gelangt man in die Taufkapelle. Der Taufstein wurde 1897 nach gotischen Vorbildern geschaffen. Er symbolisiert, dass jeder, der hier getauft wird, in das Reich Gottes aufgenommen ist. Auf einem viereckigen Fundament, dem Zeichen für unsere irdische Herkunft, entwickeln sich lauter achteckige Formen als Zeichen für das Reich Gottes. Die Orgel , die heute unseren Kirchengesang begleitet, wurde 1969 von der Firma "Jehmlich" neu erbaut, da die alte Orgel aus dem Jahre 1897 zu Kriegsende schwer beschädigt worden war. Von 1994 an wurden der Kirchturm, das Dach und die Fassade der Kirche abschnittsweise saniert. Diese Arbeiten konnten Kirchweih 2001 mit dem Vervollständigen der Fenster im Altarraum abgeschlossen werden. Die von Camillo Schulz entworfenen neuen Bleiglasfenster ersetzen die zu Kriegsende zerstörten Fensterbahnen und gehen eine gelungene Verbindung mit den von 1897 noch erhaltenen ein.

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